Welche Rolle spielt das Zahnfleisch für unser Gedächtnis?
Zwischen Parodontitis und Demenz besteht nach aktuellen Studien ein Zusammenhang. Menschen mit Parodontitis entwickeln statistisch häufiger kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen. Als mögliche Verbindung untersucht die Forschung vor allem chronische Entzündungen, Immunreaktionen und bestimmte Bakterien aus der Mundhöhle. Ob Parodontitis tatsächlich zur Entstehung einer Demenz beiträgt, ist bislang jedoch nicht bewiesen. Gleichzeitig kann eine Demenz die Mundhygiene erschweren und dadurch eine bestehende Parodontitis verstärken.
Zähneputzen gehört zu den alltäglichsten Dingen überhaupt. Wir greifen zur Zahnbürste, ohne groß darüber nachzudenken. Doch was passiert bei einer Demenz, wenn vertraute Abläufe plötzlich nicht mehr selbstverständlich funktionieren? Wenn jemand vergisst, ob er die Zähne bereits geputzt hat, einzelne Schritte durcheinanderbringt oder Zahnarzttermine zunehmend aus dem Blick verliert?
Bei Menschen mit Demenz leidet die Mundgesundheit häufig schon aus ganz praktischen Gründen. Doch die Forschung interessiert sich inzwischen noch für die andere Richtung: Könnte eine chronische Parodontitis ihrerseits mit Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängen?
Was sagt die Alzheimer-Forschung?
Besonders die Alzheimer-Forschung beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit dieser Frage. Sie untersucht, welche Rolle Entzündungsprozesse, das Immunsystem und bestimmte Parodontitisbakterien für Veränderungen im Gehirn spielen könnten. Dabei zeigt sich ein komplexes Wechselspiel zwischen Mundgesundheit und kognitiven Fähigkeiten, das Wissenschaftler noch längst nicht vollständig verstanden haben.
Wie könnten Parodontitis und Demenz zusammenhängen?
Demenz bezeichnet keine einzelne Erkrankung. Der Begriff umfasst verschiedene Krankheitsbilder, bei denen geistige Fähigkeiten zunehmend nachlassen. Betroffene verlieren etwa Teile ihres Erinnerungsvermögens, können sich schlechter orientieren oder haben Schwierigkeiten mit Sprache, Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen. Im weiteren Verlauf fällt es ihnen zunehmend schwer, ihren Alltag selbstständig zu bewältigen.
Die Alzheimer-Krankheit stellt die häufigste Form der Demenz dar. Daneben kennen Mediziner unter anderem die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körper-Demenz und die frontotemporale Demenz.
Gerade Alzheimer steht im Mittelpunkt vieler Untersuchungen zum möglichen Zusammenhang mit Parodontitis. Die Erkrankung entwickelt sich über einen langen Zeitraum. Veränderungen im Gehirn beginnen teilweise viele Jahre, bevor deutliche Gedächtnisstörungen auftreten. Deshalb suchen Wissenschaftler intensiv nach Faktoren, die diese Prozesse beeinflussen könnten.
Eine chronische Entzündung bleibt nicht ohne Wirkung auf den Körper
Bei einer Parodontitis reagiert das Immunsystem auf bakterielle Beläge am Zahnfleischrand und in den Zahnfleischtaschen. Hält diese Entzündungsreaktion über längere Zeit an, greift sie den Zahnhalteapparat an. Zahnfleisch und Kieferknochen gehen zurück, die Zahnfleischtaschen werden tiefer und im fortgeschrittenen Stadium können sich Zähne lockern.
Doch das Geschehen bleibt nicht vollständig auf die Mundhöhle beschränkt.
Über die entzündete Oberfläche der Zahnfleischtaschen können Bakterien und Bestandteile von Bakterien zeitweise in die Blutbahn gelangen. Gleichzeitig setzt das Immunsystem verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Über den Blutkreislauf erreichen diese Stoffe andere Bereiche des Körpers.
Deshalb richtet die Forschung den Blick längst über die Mundhöhle hinaus. Zahlreiche Studien untersuchen, wie Parodontitis mit Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder rheumatoider Arthritis zusammenhängt.
Inzwischen beschäftigt sich auch die Neurowissenschaft intensiv mit diesen Zusammenhängen.
Was chronische Entzündungen mit dem Gehirn zu tun haben könnten
Unser Gehirn besitzt ein eigenes hochkomplexes Abwehrsystem. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei sogenannte Mikrogliazellen. Sie gehören zum Immunsystem des zentralen Nervensystems. Mikrogliazellen erkennen Krankheitserreger und geschädigte Zellen, beseitigen Zellreste und lösen bei Bedarf Entzündungsreaktionen aus.
Kurzfristig schützt uns diese Reaktion. Problematisch kann sie werden, wenn das Immunsystem dauerhaft aktiv bleibt. Fachleute sprechen bei entzündlichen Prozessen im Nervengewebe von Neuroinflammation.
Neuroinflammation beschäftigt die Demenzforschung
Bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen spielen solche Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle in der Forschung. Wissenschaftler untersuchen unter anderem, wie das Immunsystem auf krankhafte Veränderungen im Gehirn reagiert und ob chronische Entzündungsreize diese Prozesse beeinflussen.
Das Ergebnis: Eine schwere, über Jahre bestehende Parodontitis bedeutet für den Körper eine dauerhafte Auseinandersetzung mit Bakterien und Entzündungsreaktionen. Forscher gehen deshalb der Frage nach, ob diese zusätzliche Entzündungsbelastung auch Prozesse beeinflussen könnte, die im Gehirn stattfinden.
Dabei geht es nicht um einen einfachen Weg nach dem Muster „Entzündung im Zahnfleisch wandert ins Gehirn“. Das Zusammenspiel zwischen Immunsystem, Gefäßen, Stoffwechsel und Nervensystem ist wesentlich komplexer.
Ein Parodontitisbakterium weckt besonderes Interesse
Neben der allgemeinen Entzündungsbelastung untersucht die Alzheimer-Forschung auch einzelne Bakterien genauer. Besonders häufig fällt dabei der Name Porphyromonas gingivalis.
Das Bakterium gehört zu den Keimen, die bei Parodontitis eine wichtige Rolle spielen können. Es verfügt über verschiedene Strategien, mit denen es die Immunabwehr umgeht und sich im entzündeten Gewebe behauptet.
Besonders interessant sind sogenannte Ginkgipaine. Dabei handelt es sich um Enzyme, die P. gingivalis produziert. Experimentelle Studien untersuchen aktuell, ob diese bakteriellen Faktoren Entzündungsreaktionen verstärken und Nervenzellen schädigen können.
Forscher haben Bestandteile von P. gingivalis, genauer gesagt gegen das Bakterium gerichtete Immunreaktionen, auch im Zusammenhang mit Alzheimer untersucht. Labor- und Tierstudien liefern zudem Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen, über die der Keim Prozesse im Nervensystem beeinflussen könnte.
Ein interessanter Verdacht ist noch kein Beweis
Solche Ergebnisse klingen spektakulär. Sie erfordern aber eine vorsichtige Interpretation.
Alzheimer entsteht nicht durch ein einzelnes Bakterium. Nach heutigem Wissen entwickelt sich die Erkrankung durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Alter und genetische Veranlagung spielen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen unter anderem Gefäßgesundheit, Stoffwechsel, Lebensstil und Prozesse des Immunsystems.
Auch der Nachweis bakterieller Bestandteile im Zusammenhang mit einer Erkrankung beweist noch nicht, dass diese Bakterien die Erkrankung ausgelöst haben.
Die Forschung zu Porphyromonas gingivalis liefert deshalb vor allem einen möglichen Baustein für die Erklärung der beobachteten Zusammenhänge. Ob und in welchem Umfang dieser Mechanismus beim Menschen tatsächlich zur Entstehung oder zum Fortschreiten einer Demenz beiträgt, müssen weitere Untersuchungen klären.
Was sagt die Forschung zu Parodontitis und Demenz?
Einzelne Laborbefunde erklären bisher nicht, was langfristig beim Menschen geschieht. Deshalb betrachten Wissenschaftler auch große Bevölkerungsgruppen und vergleichen die Mundgesundheit mit der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten.
Mittlerweile liegen zahlreiche Beobachtungsstudien und mehrere systematische Übersichtsarbeiten vor. Insgesamt zeichnen sie ein bemerkenswert einheitliches Bild: Menschen mit Parodontalerkrankungen weisen häufiger kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen auf als Menschen ohne entsprechende Erkrankungen des Zahnhalteapparates.
Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wertete 24 Studien aus, darunter Fall-Kontroll- und Kohortenstudien. Die Autoren fanden einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz. Besonders deutlich fiel dieser bei einer schweren Parodontitis aus.
Auch eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2024 untersuchte die Beziehung zwischen Parodontalerkrankungen, kognitiven Störungen und Demenz. Die Ergebnisse stützten ebenfalls einen Zusammenhang. Gleichzeitig wiesen die Autoren auf Unterschiede zwischen den Studien und auf die begrenzte Qualität eines Teils der vorhandenen Evidenz hin.
Schon frühere Metaanalysen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Untersuchungen fanden beispielsweise bei Menschen mit Parodontalerkrankungen häufiger Alzheimer sowie leichte kognitive Beeinträchtigungen. Mediziner sprechen dabei häufig von Mild Cognitive Impairment, kurz MCI. Diese kognitiven Veränderungen gehen über normale altersbedingte Vergesslichkeit hinaus, schränken die Selbstständigkeit im Alltag aber bislang nicht in dem Ausmaß einer Demenz ein.
Besonders schwere Parodontitis fällt in Studien auf
Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: In mehreren Untersuchungen steigt die beobachtete Assoziation mit dem Schweregrad der Parodontitis.
Auch die Metaanalyse aus dem Jahr 2025 fand bei schwerer Parodontitis einen stärkeren Zusammenhang mit Demenz. Frühere Untersuchungen berichteten ebenfalls, dass ausgeprägte Erkrankungen des Zahnhalteapparates deutlicher mit Alzheimer oder kognitiven Beeinträchtigungen zusammenhängen.
Dafür gibt es verschiedene denkbare Erklärungen.
Eine schwere Parodontitis verursacht eine größere entzündete Gewebefläche und geht meist über einen längeren Zeitraum mit einer erhöhten Entzündungsaktivität einher. Dadurch könnte die Belastung für den Organismus steigen. Gleichzeitig haben Menschen mit schwerer Parodontitis möglicherweise häufiger weitere gesundheitliche Risikofaktoren, die ihrerseits für die Entwicklung einer Demenz relevant sind.
Genau deshalb müssen Wissenschaftler statistische Zusammenhänge sorgfältig von ursächlichen Beziehungen unterscheiden.
Zusammenhang bedeutet nicht Ursache
Wenn zwei Erkrankungen häufig gemeinsam auftreten, muss die eine nicht zwangsläufig die andere verursachen.
Bei Parodontitis und Demenz überschneiden sich zahlreiche Risikofaktoren. Das Alter spielt bei beiden Erkrankungen eine große Rolle. Rauchen erhöht das Risiko für Parodontitis und beeinflusst gleichzeitig die Gefäßgesundheit. Diabetes steht in enger Wechselwirkung mit Parodontitis und kann ebenfalls das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen beeinflussen. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Ernährung, Bewegung, soziale Faktoren und der Zugang zu medizinischer Versorgung können eine Rolle spielen.
Studien versuchen, solche Einflussfaktoren statistisch zu berücksichtigen. Vollständig lassen sie sich jedoch nicht immer voneinander trennen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die ersten Veränderungen einer Demenzerkrankung können bereits beginnen, bevor Betroffene oder Angehörige deutliche Symptome wahrnehmen. Gleichzeitig kann die Mundpflege schon in frühen Phasen nachlassen.
Was auf den ersten Blick wie eine mögliche Folge der Parodontitis aussieht, könnte also teilweise bereits eine Folge beginnender kognitiver Veränderungen sein.
Ursache oder Folge? Wahrscheinlich ist die Beziehung komplexer
Gerade diese Frage macht die Forschung so schwierig und zugleich so interessant.
Möglicherweise beeinflussen sich beide Erkrankungen gegenseitig. Eine chronische Parodontitis könnte über Entzündungsprozesse einen zusätzlichen Risikofaktor darstellen. Gleichzeitig kann ein beginnender kognitiver Abbau die Mundhygiene verschlechtern und damit eine bestehende Parodontitis verstärken.
Die möglichen Wechselwirkungen lassen sich vereinfacht so zusammenfassen:
| Beobachtung | Was Studien zeigen | Einordnung |
|---|---|---|
| Parodontitis und Demenz | Menschen mit Parodontitis weisen in Studien häufiger kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen auf. | Es besteht eine statistische Korrelation, aber kein Beweis für eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung. |
| Schwere Parodontitis | Mehrere Untersuchungen finden bei ausgeprägter Parodontitis einen stärkeren Zusammenhang mit Demenz und kognitivem Abbau. | Der Schweregrad könnte eine Rolle spielen. Auch gemeinsame Risikofaktoren können das Ergebnis beeinflussen. |
| Parodontitis und Alzheimer | Metaanalysen zeigen auch für Alzheimer eine Assoziation mit Parodontalerkrankungen. | Die Daten sprechen für einen Zusammenhang, erklären aber nicht, ob Parodontitis zur Entstehung von Alzheimer beiträgt. |
| Mild Cognitive Impairment (MCI) | Auch leichte kognitive Beeinträchtigungen treten in Studien häufiger bei Menschen mit Parodontalerkrankungen auf. | MCI kann einer Demenz vorausgehen, führt aber nicht zwangsläufig zu einer Demenzerkrankung. |
| Mögliche gemeinsame Mechanismen | Die Forschung untersucht chronische Entzündungen, Immunreaktionen und bakterielle Faktoren als mögliche Verbindung. | Diese Mechanismen sind biologisch plausibel, ihre tatsächliche Bedeutung für Demenz beim Menschen ist aber noch nicht abschließend geklärt. |
Dabei besteht ein entscheidender Unterschied zwischen beiden Seiten der Tabelle: Dass eine Demenz die selbstständige Mundpflege beeinträchtigen kann, lässt sich im klinischen Alltag unmittelbar beobachten. Ob und in welchem Ausmaß eine Parodontitis dagegen zur Entstehung oder zum Fortschreiten einer Demenz beiträgt, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.
Denkbar ist also ein Kreislauf, in dem verschiedene Faktoren ineinandergreifen. Die bisherige Forschung liefert Hinweise auf solche Wechselwirkungen. Sie erlaubt aber noch keine Aussage darüber, wie groß der Einfluss einer Parodontitis auf das persönliche Demenzrisiko tatsächlich ist.
Kann eine Parodontitistherapie das Demenzrisiko senken?
Diese Frage drängt sich geradezu auf. Wenn Studien einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz feststellen, könnte eine erfolgreiche Behandlung des Zahnhalteapparates dann auch das Risiko für einen späteren kognitiven Abbau verringern?
Bislang können wir diese Frage nicht zuverlässig beantworten.
Dafür müssten hochwertige Langzeitstudien zeigen, dass Menschen nach einer erfolgreichen Parodontitistherapie tatsächlich seltener an Demenz erkranken oder ihre kognitiven Fähigkeiten länger erhalten als vergleichbare Menschen ohne entsprechende Behandlung.
Solche belastbaren Nachweise fehlen bislang.
Eine Parodontitis konsequent zu behandeln, bleibt trotzdem wichtig. Die Therapie reduziert die Entzündung, bremst den weiteren Abbau des Zahnhalteapparates und hilft dabei, die eigenen Zähne möglichst lange zu erhalten. Gleichzeitig beseitigt oder reduziert sie eine chronische Entzündungsquelle im Körper.
Ob davon langfristig auch das Gehirn profitiert, muss die Forschung noch klären.
Demenz verändert auch die Mundgesundheit
Während die Wissenschaft mögliche Auswirkungen der Parodontitis auf das Gehirn untersucht, lässt sich die umgekehrte Beziehung im Alltag sehr viel unmittelbarer beobachten: Eine Demenz erschwert zunehmend die selbstständige Mundpflege.
Anfangs fallen die Veränderungen häufig kaum auf. Vielleicht putzt ein Mensch seine Zähne weniger gründlich als früher. Einzelne Zahnflächen geraten immer wieder in Vergessenheit. Die Interdentalbürsten bleiben häufiger liegen oder die gewohnten Zahnarzttermine werden nicht mehr zuverlässig vereinbart.
Mit fortschreitender Erkrankung können selbst vertraute Handlungsabläufe Schwierigkeiten bereiten.
Zähneputzen erscheint uns einfach, weil wir es über Jahrzehnte automatisiert haben. Tatsächlich verlangt es jedoch eine ganze Reihe einzelner Schritte. Wir müssen die Zahnbürste erkennen, Zahnpasta auftragen, die Bürste richtig führen, systematisch alle Zahnflächen erreichen und einschätzen, wann wir ausreichend geputzt haben.
Eine Demenz kann diese Fähigkeiten allmählich beeinträchtigen.
Wenn Beschwerden nicht mehr eindeutig ankommen
Auch die Wahrnehmung und Kommunikation von Beschwerden kann sich verändern.
Menschen mit Demenz empfinden Schmerzen wie jeder andere auch. Sie können jedoch zunehmend Schwierigkeiten haben, die Ursache zu erkennen, den Schmerz genau zu lokalisieren oder anderen Menschen mitzuteilen, was ihnen fehlt.
Zahnmedizinische Erkrankungen bleiben dadurch möglicherweise länger unentdeckt.
Das betrifft besonders Erkrankungen, die ohnehin über längere Zeit wenig Beschwerden verursachen. Parodontitis gehört dazu. Zahnfleischbluten oder Mundgeruch fallen Betroffenen vielleicht nicht auf oder sie messen ihnen keine Bedeutung bei. Selbst fortschreitender Knochenabbau verursacht häufig zunächst keine Schmerzen.
Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen gewinnen deshalb mit zunehmenden kognitiven Einschränkungen an Bedeutung.
Mundgesundheit stabilisieren, solange vieles noch zuverlässig funktioniert
Idealerweise beginnt eine angepasste zahnmedizinische Betreuung nicht erst bei einer weit fortgeschrittenen Demenz.
In frühen Stadien können Patientinnen und Patienten häufig noch sehr gut mitarbeiten, neue Routinen übernehmen und Entscheidungen über ihre Behandlung selbst treffen. Diese Phase bietet die Chance, bestehende Probleme zu behandeln und die Mundsituation möglichst langfristig zu stabilisieren.
Eine vorhandene Parodontitis sollte deshalb konsequent therapiert werden. Nach der aktiven Behandlung hilft die regelmäßige unterstützende Parodontitistherapie dabei, das Behandlungsergebnis zu sichern und erneute Entzündungen früh zu erkennen.
Auch andere notwendige Behandlungen lassen sich häufig leichter durchführen, solange die Patientin oder der Patient die einzelnen Schritte nachvollziehen und gut mitwirken kann.
Einfache Routinen helfen länger
Bei der häuslichen Mundpflege zählt nicht unbedingt die komplizierteste Lösung. Entscheidend ist, was die betroffene Person zuverlässig umsetzen kann.
Klare, vertraute Abläufe erleichtern die Orientierung. Angehörige können zunächst ans Zähneputzen erinnern oder die einzelnen Schritte begleiten. Später kann es notwendig werden, die Reinigung zu kontrollieren oder teilweise zu übernehmen.
Dabei sollte die Unterstützung immer zu den vorhandenen Fähigkeiten passen. Wer seine Zähne noch selbstständig putzen kann, sollte diese Fähigkeit möglichst lange behalten.
Auch Zahnersatz verdient Aufmerksamkeit. Er sollte sich möglichst unkompliziert reinigen lassen und regelmäßig kontrolliert werden. Druckstellen, Entzündungen oder schlecht sitzende Prothesen können Essen und Sprechen erschweren und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Angehörige werden zu wichtigen Partnern
Mit fortschreitender Demenz übernehmen Angehörige oder Pflegepersonen häufig einen größeren Teil der gesundheitlichen Organisation. Sie vereinbaren Termine, begleiten die Betroffenen in die Praxis und helfen bei der täglichen Mundpflege.
Für die zahnärztliche Betreuung sind ihre Beobachtungen wertvoll. Isst jemand plötzlich schlechter? Kaut er bevorzugt auf einer Seite? Lehnt er bestimmte Speisen ab? Greift er sich häufiger an den Mund oder reagiert er beim Zähneputzen ungewöhnlich?
Solche Veränderungen können auf Beschwerden hinweisen, auch wenn die betroffene Person selbst keine Zahnschmerzen äußert.
Eine gute Betreuung verbindet deshalb die zahnmedizinische Untersuchung mit den Informationen der Menschen, die den Alltag der Patientin oder des Patienten kennen.
Mundgesundheit gehört zur Lebensqualität
Gesunde und möglichst schmerzfreie Zähne erfüllen im Alter weit mehr Aufgaben als eine rein kosmetische.
Wir brauchen sie zum Kauen und damit für eine abwechslungsreiche Ernährung. Ein beschwerdefreier Mund erleichtert das Sprechen und trägt dazu bei, dass Menschen gern gemeinsam essen. Entzündungen, lockere Zähne, Druckstellen oder schlecht sitzender Zahnersatz können dagegen jeden einzelnen Tag belasten.
Bei einer Demenz gewinnen diese scheinbar selbstverständlichen Dinge zusätzlich an Bedeutung. Je schwieriger es wird, Beschwerden zu verstehen und zu kommunizieren, desto wichtiger wird die Vorsorge.
Deshalb berücksichtigt unsere Seniorenzahnmedizin in Köln neben Zähnen und Zahnfleisch auch die allgemeine gesundheitliche und persönliche Situation. Medikamente, chronische Erkrankungen, eingeschränkte Beweglichkeit oder nachlassende kognitive Fähigkeiten können die zahnmedizinische Behandlung und die tägliche Mundpflege beeinflussen. Bei Bedarf beziehen wir Angehörige oder Pflegepersonen in die Betreuung ein.
Was bleibt von der Verbindung zwischen Zahnfleisch und Gedächtnis?
Die Vorstellung einer direkten Kette von der Parodontitis zur Demenz greift nach heutigem Forschungsstand zu kurz. Niemand entwickelt allein deshalb Alzheimer, weil er an Parodontitis erkrankt. Ebenso können wir derzeit nicht versprechen, dass eine erfolgreiche Parodontitistherapie vor Demenz schützt.
Trotzdem sollten wir die wissenschaftlichen Hinweise ernst nehmen.
Mehrere große Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen. Die Forschung kennt zudem plausible biologische Mechanismen, über die chronische Entzündungen und bakterielle Faktoren Prozesse außerhalb der Mundhöhle beeinflussen können. Gleichzeitig zeigt der Alltag sehr deutlich, wie stark eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit die Mundgesundheit beeinträchtigen kann.
Damit entsteht ein komplexes Wechselspiel, das Wissenschaftler noch längst nicht vollständig verstanden haben.
Für Patientinnen und Patienten ergibt sich daraus keine komplizierte neue Vorsorgestrategie. Vielmehr bestätigt die Forschung etwas, das unabhängig vom Demenzrisiko sinnvoll bleibt: Entzündungen im Mund sollten wir früh erkennen und behandeln. Eine konsequente Parodontitistherapie, regelmäßige Kontrollen und eine gute häusliche Mundpflege helfen, Zähne und Kaufunktion möglichst lange zu erhalten.
Gerade im höheren Lebensalter lohnt es sich, stabile Verhältnisse zu schaffen, solange die selbstständige Mundpflege noch gut funktioniert. Wenn später Unterstützung notwendig wird, können Angehörige und zahnmedizinisches Team auf einer guten Ausgangssituation aufbauen.
Ob gesundes Zahnfleisch tatsächlich dazu beiträgt, unsere geistigen Fähigkeiten länger zu erhalten, kann die Forschung heute noch nicht abschließend beantworten, auch wenn ein Zusammenhang wahrscheinlich ist. Sicher ist jedoch: Mundgesundheit gehört zu einem gesunden Älterwerden dazu.
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