Parodontitis und Demenz

Welche Rolle spielt das Zahnfleisch für unser Gedächtnis?

Zwischen Parodontitis und Demenz scheint es einen Zusammenhang zu geben. Studien zei­gen: Menschen mit Parodontitis haben häu­fi­ger Probleme mit dem Gedächtnis oder erkran­ken häu­fi­ger an einer Demenz als Menschen mit gesun­dem Zahnfleisch. Das bedeu­tet aber nicht, dass Parodontitis eine Demenz ver­ur­sacht. Dafür gibt es bis­her kei­nen Beweis. Forscher ver­su­chen viel­mehr zu ver­ste­hen, war­um bei­de Erkrankungen häu­fi­ger gemein­sam auf­tre­ten. Im Mittelpunkt ste­hen dabei dau­er­haf­te Entzündungen im Körper und bestimm­te Bakterien aus dem Mund.

Gleichzeitig kann eine Demenz die Mundgesundheit ver­schlech­tern. Betroffene ver­ges­sen etwa das Zähneputzen, put­zen weni­ger gründ­lich oder ver­säu­men Zahnarzttermine. Es gibt also mög­li­che Verbindungen in bei­de Richtungen.

Was sagt die Alzheimer-Forschung?

Besonders häu­fig wird die­ser mög­li­che Zusammenhang bei Alzheimer unter­sucht. Alzheimer ist die häu­figs­te Form der Demenz. Forscher inter­es­sie­ren sich dabei vor­wie­gend für Entzündungen und bestimm­te Bakterien. Sie möch­ten wis­sen, ob Vorgänge im ent­zün­de­ten Zahnfleisch mög­li­cher­wei­se auch ande­re Bereiche des Körpers und lang­fris­tig das Gehirn beein­flus­sen. Ob Parodontitis tat­säch­lich zur Entstehung von Alzheimer oder einer ande­ren Demenz bei­tra­gen kann, ist bis­her nicht geklärt.

Wie könnten Parodontitis und Demenz zusammenhängen?

Demenz ist kei­ne ein­zel­ne Krankheit. Der Begriff umfasst ver­schie­de­ne Erkrankungen, bei denen geis­ti­ge Fähigkeiten ste­tig ver­lo­ren gehen. Betroffene ver­ges­sen zuneh­mend Dinge, ver­lie­ren leich­ter die Orientierung oder haben Schwierigkeiten mit Sprache und Aufmerksamkeit. Im spä­te­ren Verlauf wird es häu­fig auch schwie­ri­ger, den Alltag selbst­stän­dig zu bewältigen.

Bei Alzheimer begin­nen Veränderungen im Gehirn oft schon vie­le Jahre, bevor deut­li­che Gedächtnisprobleme auf­tre­ten. Deshalb sucht die Forschung nach Faktoren, die dabei mög­li­cher­wei­se eine Rolle spie­len. Dazu gehö­ren auch dau­er­haf­te Entzündungen.

Eine dauerhafte Entzündung betrifft nicht nur den Mund

Bei einer Parodontitis reagiert der Körper auf Bakterien am Zahnfleisch und in den Zahnfleischtaschen. Das Zahnfleisch ent­zün­det sich. Bleibt die­se Entzündung über län­ge­re Zeit bestehen, kann sie immer mehr Gewebe schä­di­gen. Das Zahnfleisch geht zurück, die Zahnfleischtaschen wer­den tie­fer und auch der Kieferknochen kann sich abbau­en. In einem fort­ge­schrit­te­nen Stadium kön­nen sich Zähne lockern.

Die Entzündung spielt sich dabei nicht aus­schließ­lich im Mund ab. Über ent­zün­de­te Zahnfleischtaschen kön­nen Bakterien oder Teile von Bakterien zeit­wei­se ins Blut gelan­gen. Auch Stoffe, die bei einer Entzündung ent­ste­hen, ver­tei­len sich über die Blutbahn im Körper. Deshalb wird Parodontitis schon seit län­ge­rer Zeit im Zusammenhang mit ande­ren Erkrankungen unter­sucht. Dazu gehö­ren etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und rheu­ma­ti­sche Erkrankungen. Inzwischen inter­es­siert sich auch die Demenzforschung dafür.

Was könnten Entzündungen mit dem Gehirn zu tun haben?

Auch das Gehirn besitzt ein eige­nes Abwehrsystem. Es schützt das Nervengewebe vor Schäden und Krankheitserregern. Eine sol­che Abwehrreaktion ist grund­sätz­lich sinn­voll. Problematisch könn­te es jedoch wer­den, wenn Entzündungen über lan­ge Zeit bestehen. Forscher unter­su­chen des­halb, ob dau­er­haf­te Entzündungen im Körper mög­li­cher­wei­se auch Vorgänge im Gehirn beein­flus­sen kön­nen. Eine schwe­re Parodontitis kann vie­le Jahre bestehen und den Körper immer wie­der mit Bakterien und Entzündungen belasten.

Dabei geht es nicht dar­um, dass eine Zahnfleischentzündung ein­fach vom Mund ins Gehirn wan­dert. Die Vorgänge im Körper sind wesent­lich kom­pli­zier­ter. Immunsystem, Blutgefäße, Stoffwechsel und Gehirn beein­flus­sen sich auf vie­le ver­schie­de­ne Arten.

Ein bestimmtes Parodontitisbakterium interessiert die Forschung besonders

Forscher beschäf­ti­gen sich auch mit ein­zel­nen Bakterien, die bei Parodontitis vor­kom­men. Besonders häu­fig wird dabei das Bakterium Porphyromonas gin­gi­va­lis unter­sucht. Es kann bei Parodontitis eine wich­ti­ge Rolle spie­len und bil­det Stoffe, die Gewebe schä­di­gen und Entzündungen för­dern kön­nen. Labor- und Tierstudien haben Hinweise dar­auf gelie­fert, dass das Bakterium oder Teile davon mög­li­cher­wei­se auch Vorgänge im Nervensystem beein­flus­sen können.

Ein Hinweis ist noch kein Beweis

Solche Forschungsergebnisse müs­sen vor­sich­tig bewer­tet wer­den. Alzheimer ent­steht nicht durch ein ein­zel­nes Bakterium. Bei der Erkrankung spie­len vie­le ver­schie­de­ne Faktoren zusam­men. Dazu gehö­ren das Alter, die erb­li­che Veranlagung, die Gesundheit der Blutgefäße, der Stoffwechsel und der Lebensstil. Auch wenn Forscher Bestandteile eines Bakteriums im Zusammenhang mit Alzheimer fin­den, beweist das noch nicht, dass die­ses Bakterium die Erkrankung ver­ur­sacht hat. Porphyromonas gin­gi­va­lis ist des­halb bis­her nur ein mög­li­cher Teil der Erklärung. Wie wich­tig die­ses Bakterium tat­säch­lich ist, muss wei­ter unter­sucht werden.

Was sagt die Forschung zu Parodontitis und Demenz?

Untersuchungen im Labor allein rei­chen nicht aus. Deshalb beob­ach­ten Wissenschaftler auch grö­ße­re Gruppen von Menschen über län­ge­re Zeit. Dabei zeigt sich immer wie­der ein ähn­li­ches Bild: Menschen mit Parodontitis lei­den häu­fi­ger unter Gedächtnisproblemen oder Demenzerkrankungen.

Eine gro­ße Auswertung aus dem Jahr 2025 fass­te 24 ver­schie­de­ne Studien zusam­men. Auch dort zeig­te sich ein Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und Demenz. Besonders deut­lich war er bei Menschen mit schwe­rer Parodontitis. Eine wei­te­re gro­ße Auswertung aus dem Jahr 2024 kam zu einem ähn­li­chen Ergebnis. Die ein­zel­nen Studien unter­schei­den sich jedoch teil­wei­se deut­lich. Deshalb las­sen sich dar­aus noch kei­ne siche­ren Aussagen über Ursache und Wirkung ableiten.

Auch frü­he­re Untersuchungen fan­den häu­fi­ger Gedächtnisprobleme und Alzheimer bei Menschen mit Erkrankungen des Zahnfleisches. Dabei geht es teil­wei­se um leich­te Veränderungen des Gedächtnisses, die über die nor­ma­le Vergesslichkeit im Alter hin­aus­ge­hen. Die Betroffenen kön­nen ihren Alltag jedoch noch weit­ge­hend selbst­stän­dig bewäl­ti­gen. Solche Veränderungen müs­sen nicht zwangs­läu­fig zu einer Demenz führen.

Besonders schwere Parodontitis fällt in Studien auf

In meh­re­ren Studien zeig­te sich ein stär­ke­rer Zusammenhang, wenn die Parodontitis beson­ders aus­ge­prägt war. Bei einer schwe­ren Parodontitis ist eine grö­ße­re Fläche des Zahnfleisches ent­zün­det und die Entzündung besteht häu­fig schon über einen lan­gen Zeitraum. Dadurch könn­te der Körper stär­ker belas­tet werden.

Es gibt jedoch noch eine wei­te­re mög­li­che Erklärung: Menschen mit schwe­rer Parodontitis haben mög­li­cher­wei­se häu­fi­ger ande­re gesund­heit­li­che Probleme, die gleich­zei­tig das Risiko für eine Demenz erhö­hen kön­nen. Deshalb lässt sich aus sol­chen Studien nicht ein­fach schlie­ßen, dass die Parodontitis selbst die Ursache ist.

Zusammenhang bedeutet nicht Ursache

Parodontitis und Demenz haben meh­re­re gemein­sa­me Risikofaktoren. Beide Erkrankungen tre­ten mit zuneh­men­dem Alter häu­fi­ger auf. Rauchen erhöht das Risiko für Parodontitis und schä­digt gleich­zei­tig die Blutgefäße. Auch Diabetes kann sowohl die Mundgesundheit als auch die all­ge­mei­ne Gesundheit beein­flus­sen. Hinzu kom­men Faktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Ernährung und Bewegung.

Ein wei­te­rer Punkt macht die Forschung beson­ders schwie­rig: Eine Demenz beginnt häu­fig schon lan­ge vor den ers­ten auf­fäl­li­gen Beschwerden. Bereits in die­ser frü­hen Zeit kann die Mundpflege schlech­ter wer­den. Vielleicht wer­den die Zähne nicht mehr so gründ­lich geputzt oder die Zahnzwischenräume wer­den häu­fi­ger ver­ges­sen. Dadurch kann eine Parodontitis ent­ste­hen oder sich ver­schlech­tern. Deshalb lässt sich manch­mal nur schwer unter­schei­den, was zuerst da war.

Ursache oder Folge? Möglicherweise spielt beides eine Rolle

Es ist denk­bar, dass sich bei­de Erkrankungen gegen­sei­tig beein­flus­sen. Eine lang anhal­ten­de Parodontitis könn­te den Körper durch die dau­er­haf­te Entzündung zusätz­lich belas­ten. Gleichzeitig kann eine begin­nen­de Demenz dazu füh­ren, dass die Mundpflege schlech­ter wird und sich eine bestehen­de Parodontitis verschlimmert.

Sicher wis­sen wir bis­her eines: Eine Demenz kann die selbst­stän­di­ge Mundpflege erschwe­ren und dadurch die Mundgesundheit ver­schlech­tern. Ob und wie stark eine Parodontitis tat­säch­lich zur Entstehung oder zum Fortschreiten einer Demenz bei­tra­gen kann, ist dage­gen noch nicht aus­rei­chend geklärt.

Die bis­he­ri­gen Forschungsergebnisse las­sen sich ver­ein­facht so zusammenfassen:

Beobachtung Was zei­gen Studien? Was bedeu­tet das?
Parodontitis und Demenz Menschen mit Parodontitis lei­den in Studien häu­fi­ger unter Gedächtnisproblemen und Demenz. Es gibt einen Zusammenhang. Eine direk­te Ursache ist damit nicht bewiesen.
Schwere Parodontitis Bei einer schwe­ren Parodontitis fällt der Zusammenhang in meh­re­ren Studien stär­ker aus. Die Stärke und Dauer der Entzündung könn­ten eine Rolle spie­len. Andere gesund­heit­li­che Faktoren kön­nen das Ergebnis eben­falls beeinflussen.
Parodontitis und Alzheimer Auch zwi­schen Parodontitis und Alzheimer zei­gen Studien einen Zusammenhang. Ob Parodontitis zur Entstehung von Alzheimer bei­trägt, ist noch nicht geklärt.
Leichte Gedächtnisprobleme Auch leich­te­re Veränderungen des Gedächtnisses tre­ten bei Menschen mit Parodontitis häu­fi­ger auf. Solche Veränderungen müs­sen nicht zu einer Demenz führen.
Mögliche Erklärung Forscher unter­su­chen vor­ran­gig dau­er­haf­te Entzündungen und bestimm­te Bakterien aus dem Mund. Es gibt mög­li­che Erklärungen. Wie wich­tig sie tat­säch­lich sind, weiß man bis­her nicht.

Kann eine Parodontitistherapie das Demenzrisiko senken?

Wenn Parodontitis und Demenz mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen, liegt die Frage nahe, ob eine Behandlung der Parodontitis mög­li­cher­wei­se auch das Demenzrisiko sen­ken könn­te. Darauf gibt es bis­her kei­ne siche­re Antwort. Dafür wären gro­ße Studien not­wen­dig, die Menschen über vie­le Jahre beglei­ten und zei­gen, dass sie nach einer erfolg­rei­chen Parodontitisbehandlung tat­säch­lich sel­te­ner an Demenz erkran­ken. Solche Nachweise gibt es bis­lang nicht.

Eine Parodontitis soll­te trotz­dem behan­delt wer­den. Die Behandlung redu­ziert die Entzündung und bremst den Abbau von Zahnfleisch und Kieferknochen. Damit hilft sie, die eige­nen Zähne mög­lichst lan­ge zu erhal­ten. Ob sich dar­aus lang­fris­tig auch Vorteile für das Gehirn erge­ben, muss die Forschung noch klären.

Demenz verändert auch die Mundgesundheit

Während der mög­li­che Einfluss einer Parodontitis auf das Gehirn noch unter­sucht wird, ist die umge­kehr­te Richtung deut­lich bes­ser bekannt. Eine Demenz kann die täg­li­che Mundpflege zuneh­mend erschwe­ren. Am Anfang fal­len die Veränderungen oft kaum auf. Vielleicht wer­den die Zähne nicht mehr so gründ­lich geputzt, ein­zel­ne Stellen immer wie­der ver­ges­sen oder Zahnarzttermine ver­säumt. Mit fort­schrei­ten­der Demenz kön­nen selbst ver­trau­te Abläufe schwie­ri­ger werden.

Zähneputzen erscheint ein­fach, weil wir es seit vie­len Jahren auto­ma­tisch machen. Tatsächlich besteht es aber aus vie­len ein­zel­nen Schritten. Wir müs­sen Zahnbürste und Zahnpasta rich­tig benut­zen, alle Zahnflächen errei­chen und wis­sen, wann wir aus­rei­chend geputzt haben. Eine Demenz kann die­se Fähigkeiten schritt­wei­se beeinträchtigen.

Wenn Beschwerden nicht mehr eindeutig mitgeteilt werden

Auch Zahnschmerzen und ande­re Beschwerden kön­nen bei einer Demenz schwie­ri­ger zu erken­nen sein. Menschen mit Demenz emp­fin­den Schmerzen genau­so wie ande­re Menschen. Sie kön­nen jedoch Schwierigkeiten haben, die Ursache zu erken­nen oder genau zu sagen, wo es weh­tut. Erkrankungen im Mund blei­ben dadurch mög­li­cher­wei­se län­ger unentdeckt.

Bei Parodontitis ist das beson­ders pro­ble­ma­tisch. Die Erkrankung ver­ur­sacht oft lan­ge Zeit kei­ne Schmerzen. Zahnfleischbluten oder Mundgeruch wer­den mög­li­cher­wei­se nicht wahr­ge­nom­men. Auch wenn bereits Kieferknochen abge­baut wird, muss das zunächst nicht weh­tun. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt wer­den des­halb bei einer Demenz beson­ders wichtig.

Mundgesundheit stabilisieren, solange vieles noch gut funktioniert

Eine ange­pass­te zahn­ärzt­li­che Betreuung soll­te mög­lichst früh begin­nen und nicht erst bei einer weit fort­ge­schrit­te­nen Demenz. In frü­hen Stadien kön­nen vie­le Patienten noch gut mit­ar­bei­ten und selbst über ihre Behandlung ent­schei­den. Diese Zeit lässt sich nut­zen, um vor­han­de­ne Probleme zu behan­deln und die Mundgesundheit mög­lichst gut zu erhalten.

Eine bestehen­de Parodontitis soll­te des­halb behan­delt wer­den. Nach der eigent­li­chen Therapie hel­fen regel­mä­ßi­ge Nachsorgetermine dabei, neue Entzündungen früh zu ent­de­cken und das Behandlungsergebnis zu sichern. Auch ande­re not­wen­di­ge Zahnbehandlungen las­sen sich meist leich­ter durch­füh­ren, solan­ge Patienten die ein­zel­nen Behandlungsschritte noch gut ver­ste­hen und mit­ma­chen können.

Einfache Abläufe helfen länger

Bei der täg­li­chen Mundpflege zählt vor­ran­gig, was im Alltag funk­tio­niert. Feste und ver­trau­te Abläufe kön­nen Menschen mit Demenz hel­fen. Am Anfang reicht viel­leicht eine Erinnerung ans Zähneputzen. Später kön­nen Angehörige ein­zel­ne Schritte beglei­ten oder kon­trol­lie­ren. Wenn es not­wen­dig wird, kön­nen sie Teile der Mundpflege über­neh­men. Dabei soll­te die betrof­fe­ne Person so viel wie mög­lich wei­ter­hin selbst machen.

Auch Zahnersatz soll­te regel­mä­ßig kon­trol­liert wer­den und sich mög­lichst ein­fach rei­ni­gen las­sen. Druckstellen, Entzündungen oder schlecht sit­zen­de Prothesen kön­nen Essen und Sprechen erschwe­ren und die Lebensqualität deut­lich beeinträchtigen.

Angehörige werden zu wichtigen Partnern

Mit fort­schrei­ten­der Demenz über­neh­men Angehörige oder Pflegepersonen häu­fig mehr Verantwortung. Sie ver­ein­ba­ren Zahnarzttermine, beglei­ten die Betroffenen in die Praxis und hel­fen bei der täg­li­chen Mundpflege. Auch ihre Beobachtungen kön­nen für den Zahnarzt bedeu­tungs­voll sein.

Isst jemand plötz­lich deut­lich weni­ger? Kaut die Person nur noch auf einer Seite? Werden bestimm­te Speisen plötz­lich abge­lehnt? Greift jemand häu­fi­ger an den Mund oder reagiert beim Zähneputzen anders als sonst? Solche Veränderungen kön­nen auf Zahnschmerzen oder ande­re Beschwerden hin­wei­sen. Das gilt auch dann, wenn die betrof­fe­ne Person selbst kei­ne Schmerzen äußert. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwi­schen Zahnarzt, Patient, Angehörigen und Pflegepersonen beson­ders wichtig.

Mundgesundheit gehört zur Lebensqualität

Gesunde und mög­lichst schmerz­freie Zähne sind gera­de im Alter wich­tig. Wir benö­ti­gen unse­re Zähne zum Kauen und Essen. Ein gesun­der Mund erleich­tert außer­dem das Sprechen und trägt dazu bei, Mahlzeiten genie­ßen zu kön­nen. Entzündungen, locke­re Zähne, Druckstellen oder schlecht sit­zen­der Zahnersatz kön­nen dage­gen jeden Tag belasten.

Bei Menschen mit Demenz wird eine regel­mä­ßi­ge Vorsorge beson­ders wich­tig. Je schwie­ri­ger es wird, Beschwerden selbst zu erken­nen und mit­zu­tei­len, des­to wich­ti­ger sind regel­mä­ßi­ge Kontrollen beim Zahnarzt.

Unsere Seniorenzahnmedizin in Köln berück­sich­tigt des­halb neben Zähnen und Zahnfleisch auch die all­ge­mei­ne Gesundheit und die per­sön­li­che Situation. Medikamente, chro­ni­sche Erkrankungen, ein­ge­schränk­te Beweglichkeit oder nach­las­sen­de geis­ti­ge Fähigkeiten kön­nen die Behandlung und die täg­li­che Mundpflege beein­flus­sen. Bei Bedarf bezie­hen wir Angehörige oder Pflegepersonen in die Betreuung ein.

Was bleibt von der Verbindung zwischen Zahnfleisch und Gedächtnis?

Nach heu­ti­gem Wissen gibt es kei­ne ein­fa­che Verbindung nach dem Motto „Parodontitis führt zu Demenz“. Niemand bekommt allein des­halb Alzheimer, weil er Parodontitis hat. Ebenso kön­nen wir heu­te nicht sagen, dass eine erfolg­rei­che Parodontitisbehandlung vor Demenz schützt. Trotzdem sind die Forschungsergebnisse wich­tig. Mehrere gro­ße Untersuchungen zei­gen, dass Parodontitis und Gedächtnisprobleme häu­fi­ger gemein­sam auftreten.

Für Patienten folgt dar­aus eines: Entzündungen im Mund soll­ten früh erkannt und behan­delt wer­den. Eine kon­se­quen­te Parodontitisbehandlung, regel­mä­ßi­ge Kontrollen und eine gute Mundpflege hel­fen dabei, Zähne und Kaufunktion mög­lichst lan­ge zu erhalten.

Gerade im höhe­ren Alter ist es sinn­voll, Zahnprobleme zu behan­deln, solan­ge die selbst­stän­di­ge Mundpflege noch gut funk­tio­niert. Wird spä­ter Unterstützung not­wen­dig, kön­nen Angehörige und das zahn­ärzt­li­che Team auf einer mög­lichst guten Mundgesundheit auf­bau­en. Ob gesun­des Zahnfleisch dar­über hin­aus dazu bei­tra­gen kann, das Gedächtnis län­ger zu schüt­zen, lässt sich heu­te bis­her nicht sicher sagen. Sicher ist aber: Ein gesun­der Mund gehört zu einem gesun­den Älterwerden.

FAQ Demenz und Parodontitis

Ja. Studien zei­gen, dass Menschen mit Parodontitis häu­fi­ger unter Gedächtnisproblemen und Demenzerkrankungen lei­den. Besonders bei einer schwe­ren Parodontitis fällt die­ser Zusammenhang in eini­gen Untersuchungen stär­ker auf. Warum das so ist, ist noch nicht end­gül­tig geklärt. Forscher unter­su­chen vor allem dau­er­haf­te Entzündungen und bestimm­te Bakterien. Gleichzeitig kann eine begin­nen­de Demenz die Mundpflege ver­schlech­tern und dadurch eine Parodontitis begünstigen.

Dafür gibt es bis­her kei­nen Beweis. Menschen mit Parodontitis erkran­ken in Studien zwar häu­fi­ger an Demenz. Daraus lässt sich aber nicht ablei­ten, dass die Parodontitis die Ursache ist. Beide Erkrankungen haben außer­dem gemein­sa­me Risikofaktoren. Dazu gehö­ren zum Beispiel höhe­res Alter, Rauchen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Studien zei­gen einen Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und Alzheimer. Besonders bei einer schwe­ren Parodontitis fällt die­ser Zusammenhang in meh­re­ren Untersuchungen stär­ker aus. Ob die Parodontitis selbst das Alzheimer-Risiko erhöht, ist jedoch noch nicht geklärt.
Bei einer Parodontitis kön­nen Bakterien und Stoffe aus dem ent­zün­de­ten Zahnfleisch in die Blutbahn gelan­gen. Dadurch kön­nen Vorgänge im Mund auch ande­re Bereiche des Körpers beein­flus­sen. Forscher unter­su­chen, ob eine dau­er­haf­te Entzündung mög­li­cher­wei­se auch Auswirkungen auf das Gehirn hat. Wie groß die­ser Einfluss tat­säch­lich ist, weiß man bis­her nicht.

Entzündungen im Gehirn spie­len in der Alzheimer-Forschung eine wich­ti­ge Rolle. Forscher möch­ten her­aus­fin­den, ob dau­er­haf­te Entzündungen an ande­ren Stellen des Körpers die­se Vorgänge beein­flus­sen kön­nen. Dabei wird auch eine schwe­re Parodontitis unter­sucht. Ein direk­ter Zusammenhang ist bis­her jedoch nicht bewiesen.

Neuroinflammation bezeich­net Entzündungsprozesse im Gehirn und im übri­gen zen­tra­len Nervensystem. Dabei reagie­ren unter ande­rem Mikrogliazellen, die zum Immunsystem des Gehirns gehö­ren, auf Krankheitserreger, Zellschäden und ande­re Reize.

Bei Alzheimer und wei­te­ren neu­ro­de­ge­nera­ti­ven Erkrankungen unter­sucht die Forschung, wel­che Bedeutung eine län­ger anhal­ten­de Aktivierung die­ser Immunreaktionen für den Krankheitsverlauf hat. Chronische Entzündungen außer­halb des Gehirns, dar­un­ter mög­li­cher­wei­se auch eine schwe­re Parodontitis, könn­ten die­se Prozesse beein­flus­sen. Einen direk­ten ursäch­li­chen Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und Neuroinflammation bei Demenz haben Forschende bis­lang jedoch nicht ein­deu­tig nachgewiesen.

Das ist bis­her nicht bewie­sen. Es gibt noch kei­ne aus­rei­chend gro­ßen Langzeitstudien, die zei­gen, dass eine Parodontitisbehandlung Demenz ver­hin­dern kann. Eine Parodontitis soll­te trotz­dem behan­delt wer­den. Die Therapie ver­rin­gert die Entzündung, schützt Zahnfleisch und Kieferknochen und hilft dabei, die eige­nen Zähne mög­lichst lan­ge zu erhalten.
Eine Demenz kann all­täg­li­che Abläufe wie das Zähneputzen zuneh­mend erschwe­ren. Betroffene ver­ges­sen ein­zel­ne Schritte, put­zen weni­ger gründ­lich oder ver­säu­men Zahnarzttermine. Später kann es außer­dem schwie­ri­ger wer­den, Zahnschmerzen oder ande­re Beschwerden rich­tig zu erken­nen und mit­zu­tei­len. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt wer­den des­halb immer wichtiger.
Am Anfang hel­fen häu­fig Erinnerungen und fes­te Abläufe. Menschen mit Demenz soll­ten mög­lichst lan­ge selbst über­neh­men, was sie noch zuver­läs­sig kön­nen. Reicht die eige­ne Reinigung nicht mehr aus, kön­nen Angehörige die Mundpflege kon­trol­lie­ren, ein­zel­ne Stellen nach­put­zen oder spä­ter Teile der Reinigung über­neh­men. Auch regel­mä­ßi­ge Zahnarzttermine sind wichtig.
Gesunde Zähne und gesun­des Zahnfleisch hel­fen dabei, mög­lichst lan­ge schmerz­frei zu essen, zu kau­en und zu spre­chen. Bei einer Demenz kön­nen Zahnprobleme län­ger unbe­merkt blei­ben. Deshalb soll­ten bestehen­de Erkrankungen mög­lichst früh behan­delt und die Mundgesundheit anschlie­ßend regel­mä­ßig kon­trol­liert wer­den. Wenn die selbst­stän­di­ge Mundpflege spä­ter schwie­ri­ger wird, kön­nen Angehörige oder Pflegepersonen die Betroffenen unterstützen.

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