Kann Parodontitis Parkinson begünstigen?

Kann Parodontitis Parkinson begünstigen? Was die aktuelle Forschung zeigt

Neue Studien deu­ten dar­auf hin, dass Parodontitis und Parkinson enger mit­ein­an­der ver­bun­den sein könn­ten als lan­ge ange­nom­men. Erfahren Sie, was Wissenschaftler der­zeit wis­sen, wel­che Rolle chro­ni­sche Entzündungen spie­len und war­um gesun­des Zahnfleisch weit mehr bedeu­tet als den Erhalt Ihrer Zähne.

Parodontitis gehört zu den häu­figs­ten chro­ni­schen Erkrankungen über­haupt. Allein in Deutschland sind schät­zungs­wei­se mehr als zehn Millionen Menschen von einer behand­lungs­be­dürf­ti­gen Form betrof­fen. Viele bemer­ken die Erkrankung zunächst gar nicht. Denn anders als Karies ver­ur­sacht Parodontitis häu­fig kei­ne Schmerzen. Während das Zahnfleisch lang­sam zurück­geht und sich der Kieferknochen abbaut, schrei­tet die Entzündung oft unbe­merkt voran.

Lange Zeit galt Parodontitis vor allem als Ursache für Zahnverlust. Heute weiß die Medizin, dass sie deut­lich mehr ist als eine Erkrankung des Mundraums. Zahlreiche wis­sen­schaft­li­che Studien zei­gen, dass chro­ni­sche Entzündungen des Zahnhalteapparates Auswirkungen auf den gesam­ten Organismus haben kön­nen. So wird Parodontitis unter ande­rem mit Diabetes mel­li­tus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheu­ma­to­ider Arthritis und bestimm­ten Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht.

In den ver­gan­ge­nen Jahren ist ein wei­te­res Forschungsfeld hin­zu­ge­kom­men: der mög­li­che Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und der Parkinson-Krankheit. Große Bevölkerungsstudien sowie aktu­el­le Untersuchungen deut­scher Wissenschaftler lie­fern Hinweise dar­auf, dass Menschen mit einer aus­ge­präg­ten Parodontitis häu­fi­ger an Parkinson erkran­ken könn­ten. Gleichzeitig zeigt sich, dass vie­le Parkinson-Patientinnen und ‑Patienten unter schwe­ren Zahnfleischerkrankungen leiden.

Doch bedeutet das, dass Parodontitis Parkinson verursacht?

Die Antwort lau­tet ganz klar: Nein – zumin­dest gibt es dafür bis­lang kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Beweis. Was die Forschung jedoch zuneh­mend ver­mu­tet, ist ein kom­ple­xes Zusammenspiel chro­ni­scher Entzündungen, des Immunsystems, des Mundmikrobioms und des Gehirns. Dieses Zusammenspiel bes­ser zu ver­ste­hen, könn­te künf­tig dazu bei­tra­gen, neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Erkrankungen frü­her zu erken­nen oder ihren Verlauf posi­tiv zu beeinflussen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Aktueller Wissensstand Bewertung
Menschen mit Parodontitis erkran­ken in Studien häu­fi­ger an Parkinson. Gut belegt
Parkinson-Patienten lei­den über­durch­schnitt­lich häu­fig an Parodontitis. Gut belegt
Chronische Entzündungen könn­ten neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Prozesse beeinflussen. Plausibel, inten­siv erforscht
Parodontitis ver­ur­sacht Parkinson. Nicht bewie­sen
Eine erfolg­rei­che Parodontitisbehandlung senkt das Parkinson-Risiko. Noch nicht belegt

Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit ist nach Alzheimer die zweit­häu­figs­te neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Erkrankung. In Deutschland leben meh­re­re Hunderttausend Menschen mit die­ser Diagnose. Da die Lebenserwartung steigt, rech­nen Fachleute damit, dass die Zahl der Betroffenen in den kom­men­den Jahrzehnten wei­ter zunimmt.

Bei Parkinson ster­ben nach und nach Nervenzellen in einer bestimm­ten Region des Gehirns ab – der soge­nann­ten Substantia nigra. Diese Nervenzellen pro­du­zie­ren Dopamin, einen wich­ti­gen Botenstoff für die Steuerung von Bewegungen. Sinkt der Dopaminspiegel, tre­ten typi­sche Beschwerden auf.

Zu den bekann­tes­ten Symptomen gehören:

  • Zittern (Tremor)
  • ver­lang­sam­te Bewegungen (Bradykinese)
  • Muskelsteifigkeit (Rigor)
  • Gleichgewichts- und Gangstörungen

Doch Parkinson ist weit mehr als eine Bewegungsstörung. Viele Betroffene lei­den bereits Jahre vor der Diagnose unter Riechstörungen, Schlafproblemen, Verstopfung, Depressionen oder Veränderungen des vege­ta­ti­ven Nervensystems. Auch die Mundgesundheit kann früh betrof­fen sein.

Warum die Mundgesundheit bei Parkinson leidet

Menschen mit Parkinson ent­wi­ckeln häu­fi­ger Zahnfleischentzündungen und Parodontitis als gleich­alt­ri­ge gesun­de Personen. Dafür gibt es meh­re­re Gründe.

Mit zuneh­men­dem Fortschreiten der Erkrankung wird die täg­li­che Mundpflege oft schwie­ri­ger. Zittern, Muskelsteifigkeit oder ver­lang­sam­te Bewegungen erschwe­ren das gründ­li­che Zähneputzen. Manche Patientinnen und Patienten kön­nen Zahnseide oder Interdentalbürsten kaum noch sicher anwenden.

Hinzu kommt, dass bestimm­te Medikamente den Speichelfluss ver­min­dern kön­nen. Speichel erfüllt jedoch eine wich­ti­ge Schutzfunktion. Er neu­tra­li­siert Säuren, unter­stützt die natür­li­che Reinigung der Zähne und ent­hält Stoffe, die das Wachstum schäd­li­cher Bakterien hem­men. Fehlt die­ser Schutz, kön­nen sich bak­te­ri­el­le Beläge leich­ter vermehren.

Die Folge ist ein erhöh­tes Risiko für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis.

Lange glaub­te man, dass die­ser Zusammenhang die Forschung bereits voll­stän­dig erklärt. Inzwischen meh­ren sich jedoch Hinweise dar­auf, dass die Beziehung zwi­schen bei­den Erkrankungen deut­lich kom­ple­xer sein könnte.

Was genau ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine chro­ni­sche Entzündung des Zahnhalteapparates. Betroffen sind nicht nur das Zahnfleisch, son­dern auch die Fasern, die den Zahn im Kiefer ver­an­kern, sowie der umge­ben­de Knochen.

Am Anfang steht meist eine Zahnfleischentzündung, die durch bak­te­ri­el­le Beläge – den soge­nann­ten Biofilm – aus­ge­löst wird. Werden die­se Beläge nicht regel­mä­ßig ent­fernt, ver­än­dert sich ihre Zusammensetzung. Immer mehr krank­ma­chen­de Bakterien besie­deln den Zahnfleischrand und drin­gen in tie­fe­re Bereiche vor.

Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung. Diese dient eigent­lich dazu, die Bakterien zu bekämp­fen. Hält sie jedoch über Monate oder Jahre an, rich­tet sie sich zuneh­mend gegen kör­per­ei­ge­nes Gewebe. Der Kieferknochen wird lang­sam abge­baut, Zahnfleischtaschen ver­tie­fen sich und Zähne ver­lie­ren ihren Halt.

Typische Anzeichen einer Parodontitis sind:

  • Zahnfleischbluten
  • gerö­te­tes oder geschwol­le­nes Zahnfleisch
  • Mundgeruch
  • Zahnfleischrückgang
  • emp­find­li­che Zahnhälse
  • locke­re Zähne

Das Tückische: Viele Betroffene ver­spü­ren trotz fort­schrei­ten­der Erkrankung kei­ne Schmerzen. Deshalb bleibt Parodontitis häu­fig lan­ge unentdeckt.

Parodontitis ist keine reine Zahnfleischerkrankung

Die moder­ne Medizin betrach­tet Parodontitis heu­te als chro­ni­sche Entzündungserkrankung mit Auswirkungen auf den gesam­ten Organismus.

Während einer akti­ven Parodontitis gelan­gen stän­dig Bakterien, bak­te­ri­el­le Bestandteile und ent­zün­dungs­för­dern­de Botenstoffe in den Blutkreislauf. Das Immunsystem befin­det sich dadurch in einer dau­er­haf­ten Alarmbereitschaft.

Zu den wich­tigs­ten Entzündungsmediatoren gehö­ren unter anderem:

  • Interleukin-1β (IL-1β)
  • Interleukin‑6 (IL‑6)
  • Tumornekrosefaktor alpha (TNF‑α)
  • C‑reaktives Protein (CRP)

Diese Stoffe wir­ken nicht nur lokal im Zahnfleisch. Sie las­sen sich im gesam­ten Körper nach­wei­sen und ste­hen im Verdacht, chro­ni­sche Entzündungsprozesse in ande­ren Organen zu verstärken.

Genau hier setzt die aktu­el­le Parkinson-Forschung an.

Denn auch bei der Parkinson-Krankheit spie­len Entzündungsprozesse im Nervensystem offen­bar eine deut­lich grö­ße­re Rolle, als man noch vor weni­gen Jahren ange­nom­men hat.

Warum interessieren sich Neurologen plötzlich für Parodontitis?

Noch vor weni­gen Jahren hät­ten die meis­ten Menschen einen Zusammenhang zwi­schen Zahnfleisch und Gehirn für unwahr­schein­lich gehal­ten. Tatsächlich arbei­te­ten Neurologen und Zahnärzte lan­ge Zeit weit­ge­hend unab­hän­gig voneinander.

Das hat sich geändert.

Heute gilt als gesi­chert, dass chro­ni­sche Entzündungen den gesam­ten Organismus beein­flus­sen kön­nen. Deshalb rich­tet sich der Blick der Forschung zuneh­mend auf Erkrankungen, die zunächst nichts mit­ein­an­der zu tun zu haben scheinen.

Ein wich­ti­ger Grund dafür ist, dass sich das Verständnis der Parkinson-Krankheit grund­le­gend ver­än­dert hat. Früher stand pri­mär der Dopaminmangel im Mittelpunkt. Inzwischen weiß man, dass zahl­rei­che wei­te­re Prozesse betei­ligt sind – dar­un­ter chro­ni­sche Entzündungen, Veränderungen des Immunsystems und Störungen des Mikrobioms, wozu auch das Mund-Mikrobiom zählt.

Damit rückt auch die Mundgesundheit in den Fokus.

Was sagen die aktuellen Studien?

In den ver­gan­ge­nen Jahren wur­den welt­weit zahl­rei­che Studien ver­öf­fent­licht, die den Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und Parkinson unter­sucht haben.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt eine groß­an­ge­leg­te süd­ko­rea­ni­sche Kohortenstudie mit meh­re­ren Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Forscher beglei­te­ten die Probanden über meh­re­re Jahre und ver­gli­chen Menschen mit und ohne Parodontitis.

Das Ergebnis war bemer­kens­wert: Man fand Hinweise, dass Parodontitis mit einem erhöh­ten Parkinson-Risiko asso­zi­iert sein könnte.

Auch ande­re Untersuchungen kom­men zu ähn­li­chen Ergebnissen. Mehrere sys­te­ma­ti­sche Übersichtsarbeiten, in denen die Ergebnisse zahl­rei­cher Einzelstudien zusam­men­ge­fasst wur­den, sehen mitt­ler­wei­le eine wahr­schein­li­che Assoziation zwi­schen bei­den Erkrankungen.

Wichtig ist dabei die rich­ti­ge Interpretation.

Eine sta­tis­ti­sche Assoziation bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass die eine Erkrankung die ande­re ver­ur­sacht. Denkbar ist auch, dass bei­de Krankheiten gemein­sa­me Risikofaktoren besit­zen oder sich gegen­sei­tig beeinflussen.

Gerade des­halb ver­su­chen Wissenschaftler der­zeit zu ver­ste­hen, wel­che bio­lo­gi­schen Mechanismen hin­ter den Beobachtungen ste­hen könnten.

Welche Rolle spielen chronische Entzündungen?

Parodontitis ist kei­ne kurz­fris­ti­ge Infektion, son­dern eine chro­ni­sche Entzündung, die oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte besteht.

Während die­ser Zeit pro­du­ziert das Immunsystem kon­ti­nu­ier­lich ent­zün­dungs­för­dern­de Botenstoffe. Gleichzeitig gelan­gen Bestandteile der Parodontitisbakterien immer wie­der in die Blutbahn.

Dadurch ent­steht eine soge­nann­te sys­te­mi­sche Low-gra­de-Inflammation – eine unter­schwel­li­ge Entzündung, die den gesam­ten Organismus betrifft.

Genau sol­che chro­ni­schen Entzündungsprozesse wer­den inzwi­schen auch bei zahl­rei­chen ande­ren Erkrankungen dis­ku­tiert, beispielsweise:

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Diabetes mel­li­tus
  • Rheumatoide Arthritis
  • Alzheimer
  • Parkinson

Das bedeu­tet nicht, dass Parodontitis die­se Krankheiten ver­ur­sacht. Sie könn­te jedoch dazu bei­tra­gen, bestehen­de Entzündungsprozesse zu verstärken.

Mikroglia – das Immunsystem des Gehirns

Das Gehirn besitzt sei­ne eige­nen Immunzellen. Sie hei­ßen Mikroglia.

Unter nor­ma­len Bedingungen schüt­zen sie Nervenzellen vor Krankheitserregern und besei­ti­gen abge­stor­be­nes Gewebe. Werden sie jedoch dau­er­haft akti­viert, kön­nen sie selbst Entzündungsstoffe freisetzen.

Genau das wird bei Parkinson inten­siv erforscht.

Viele Wissenschaftler ver­mu­ten, dass chro­ni­sche Entzündungen außer­halb des Gehirns – etwa im Mund – die Aktivität der Mikroglia beein­flus­sen könnten.

Ist dies der Fall, könn­ten bestehen­de neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Prozesse zusätz­lich ver­stärkt werden.

Noch han­delt es sich dabei um eine wis­sen­schaft­li­che Hypothese. Sie wird jedoch durch zahl­rei­che expe­ri­men­tel­le Arbeiten gestützt.

Alpha-Synuclein – ein Schlüsselprotein bei Parkinson

Ein wei­te­rer Schwerpunkt der Forschung ist das Eiweiß Alpha-Synuclein.

Bei Parkinson ver­än­dert die­ses Protein sei­ne Struktur und lagert sich in Nervenzellen ab. Es ent­ste­hen soge­nann­te Lewy-Körperchen – typi­sche Ablagerungen, die als Kennzeichen der Erkrankung gelten.

Warum Alpha-Synuclein die­se Veränderungen ent­wi­ckelt, ist bis heu­te nicht voll­stän­dig geklärt.

Diskutiert wer­den unter anderem:

  • gene­ti­sche Faktoren
  • Umweltgifte
  • oxi­da­tiv­er Stress
  • chro­ni­sche Entzündungen
  • Veränderungen des Mikrobioms

Einige Wissenschaftler ver­mu­ten sogar, dass krank­haf­te Veränderungen von Alpha-Synuclein außer­halb des Gehirns begin­nen könn­ten – bei­spiels­wei­se im Darm oder mög­li­cher­wei­se auch im Zusammenhang mit chro­ni­schen Entzündungen im Mundraum.

Diese Hypothese wird der­zeit inten­siv untersucht.

Können Parodontitisbakterien das Gehirn beeinflussen?

Im Mittelpunkt steht vor allem ein Bakterium:

Porphyromonas gin­gi­va­lis.

Es gehört zu den wich­tigs­ten Erregern einer schwe­ren Parodontitis.

Dieses Bakterium pro­du­ziert soge­nann­te Gingipaine – hoch­ak­ti­ve Enzyme, die Gewebe zer­stö­ren und das Immunsystem beein­flus­sen können.

Aus Untersuchungen weiß man inzwi­schen, dass Bestandteile von Porphyromonas gin­gi­va­lis nicht aus­schließ­lich im Mund verbleiben.

Sie wur­den bereits in Gefäßwänden, Herzgewebe und sogar im Gehirn von Menschen mit neu­ro­de­ge­nera­ti­ven Erkrankungen nachgewiesen.

Ob die­se Bakterien dort tat­säch­lich krank­heits­aus­lö­send wir­ken oder ledig­lich Begleiterscheinungen einer bestehen­den Erkrankung sind, ist bis­lang ungeklärt.

Dennoch zei­gen die­se Befunde, dass der Mund deut­lich enger mit dem übri­gen Körper ver­bun­den ist, als lan­ge ange­nom­men wurde.

Die Blut-Hirn-Schranke – ein wichtiger Schutzmechanismus

Unser Gehirn besitzt einen beson­de­ren Schutzwall: die Blut-Hirn-Schranke.

Sie ver­hin­dert nor­ma­ler­wei­se, dass Krankheitserreger oder schäd­li­che Stoffe unge­hin­dert aus dem Blut in das Gehirngewebe gelangen.

Chronische Entzündungen könn­ten die­se Schutzfunktion jedoch beeinträchtigen.

Tierexperimentelle Studien deu­ten dar­auf hin, dass Entzündungsmediatoren die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke ver­än­dern können.

Sollte sich dies auch beim Menschen bestä­ti­gen, wäre das ein mög­li­cher Erklärungsansatz dafür, war­um chro­ni­sche Entzündungen neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Erkrankungen beein­flus­sen könnten.

Ein end­gül­ti­ger Nachweis steht aller­dings noch aus.

Die Mund-Darm-Hirn-Achse

Neben der Blutbahn dis­ku­tiert die Forschung inzwi­schen einen wei­te­ren mög­li­chen Weg.

Jeden Tag schlu­cken wir mit unse­rem Speichel Milliarden von Mundbakterien. Dadurch ste­hen Mundhöhle und Darm in engem Kontakt.

Verändert sich das bak­te­ri­el­le Gleichgewicht im Mund – das soge­nann­te Mundmikrobiom –, kann dies mög­li­cher­wei­se auch Auswirkungen auf die Darmflora haben.

Gerade die Darm-Hirn-Achse gilt heu­te als eines der span­nends­ten Forschungsgebiete der Neurologie.

Viele Parkinson-Patientinnen und ‑Patienten ent­wi­ckeln bereits Jahre vor den ers­ten Bewegungsstörungen Verdauungsprobleme oder chro­ni­sche Verstopfung.

Deshalb ver­mu­ten eini­ge Wissenschaftler, dass krank­haf­te Prozesse mög­li­cher­wei­se nicht aus­schließ­lich im Gehirn begin­nen, son­dern bereits deut­lich frü­her im Darm oder in ande­ren Schleimhäuten.

Ob dabei auch chro­ni­sche Entzündungen im Mund eine Rolle spie­len, wird der­zeit inten­siv untersucht.

Was ist wissenschaftlich gesichert – und was bisher nicht?

Gerade bei einem Thema, das viel Aufmerksamkeit erhält, ist eine sorg­fäl­ti­ge Einordnung wichtig.

Wissenschaftlich gut belegt Noch Gegenstand der Forschung
Parodontitis ver­ur­sacht chro­ni­sche Entzündungen. Können die­se Entzündungen Parkinson begünstigen?
Parkinson-Patienten lei­den häu­fi­ger unter Parodontitis. Welche Rolle spielt Porphyromonas gin­gi­va­lis genau?
Chronische Entzündungen beein­flus­sen den gesam­ten Organismus. Kann eine erfolg­rei­che Parodontitistherapie den Krankheitsverlauf beeinflussen?
Das Mundmikrobiom steht in enger Verbindung mit dem Immunsystem. Welche Bedeutung hat die Mund-Darm-Hirn-Achse langfristig?

Die Forschung lie­fert also vie­le span­nen­de Hinweise – aber noch kei­ne end­gül­ti­gen Antworten.

Gerade des­halb soll­ten Aussagen wie „Parodontitis ver­ur­sacht Parkinson“ ver­mie­den wer­den. Sie ent­spre­chen nicht dem aktu­el­len Stand der Wissenschaft.

Richtig ist vielmehr:

Es gibt zuneh­mend über­zeu­gen­de Hinweise dar­auf, dass chro­ni­sche Entzündungen im Mund ein wei­te­rer Baustein im kom­ple­xen Zusammenspiel neu­ro­de­ge­nera­ti­ver Erkrankungen sein könnten.

Welche Bedeutung haben die neuen Erkenntnisse für Patientinnen und Patienten?

Die aktu­el­le Forschung ver­än­dert den Blick auf Parodontitis. Ging es frü­her vor­wie­gend dar­um, Zahnverlust zu ver­hin­dern, rückt heu­te die all­ge­mei­ne Gesundheit stär­ker in den Mittelpunkt.

Das bedeu­tet jedoch nicht, dass jeder Mensch mit einer Parodontitis spä­ter an Parkinson erkrankt. Ebenso wenig ent­wi­ckeln alle Parkinson-Patientinnen und ‑Patienten zwangs­läu­fig eine schwe­re Zahnfleischerkrankung.

Vielmehr zeigt sich immer deut­li­cher, dass chro­ni­sche Entzündungen ein wich­ti­ger Bestandteil zahl­rei­cher Erkrankungen sein kön­nen. Deshalb lohnt es sich, Entzündungen mög­lichst früh zu erken­nen und kon­se­quent zu behan­deln – unab­hän­gig davon, ob ein Zusammenhang mit Parkinson besteht oder nicht.

Für die Zahnmedizin ist die­se Entwicklung eine gute Nachricht. Denn sie unter­streicht ein­mal mehr, wie wich­tig regel­mä­ßi­ge Vorsorge und eine früh­zei­ti­ge Parodontitistherapie sind.

Warum eine frühzeitige Behandlung so wichtig ist

Parodontitis ver­läuft häu­fig schlei­chend. Viele Betroffene bemer­ken die Erkrankung erst, wenn bereits Knochen ver­lo­ren gegan­gen ist oder Zähne locker werden.

Dabei gibt es in der Regel schon deut­lich frü­her Warnsignale.

Typische Anzeichen einer Parodontitis

Frühe Warnzeichen Fortgeschrittene Parodontitis
Zahnfleischbluten Zahnfleischrückgang
gerö­te­tes Zahnfleisch frei­lie­gen­de Zahnhälse
geschwol­le­nes Zahnfleisch Zahnfleischtaschen
Mundgeruch locke­re Zähne
emp­find­li­ches Zahnfleisch Knochenabbau
unan­ge­neh­mer Geschmack Zahnverlust

Je frü­her eine Behandlung beginnt, des­to grö­ßer sind die Chancen, die Entzündung dau­er­haft unter Kontrolle zu brin­gen und die eige­nen Zähne lang­fris­tig zu erhalten.

Moderne Parodontitistherapie – deutlich schonender als früher

Viele Menschen ver­bin­den eine Parodontitisbehandlung noch immer mit unan­ge­neh­men Eingriffen oder Schmerzen.

Die moder­ne Parodontologie ver­folgt jedoch einen ande­ren Ansatz. Ziel ist es, die bak­te­ri­el­le Belastung zu redu­zie­ren, die Entzündung zu stop­pen und den Zahnhalteapparat lang­fris­tig zu stabilisieren.

Je nach Befund umfasst die Behandlung meh­re­re Schritte:

Umfassende Diagnostik

Zu Beginn unter­sucht die Zahnärztin oder der Zahnarzt den Zustand des Zahnfleisches. Dabei wer­den unter ande­rem die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemes­sen, Blutungsneigung beur­teilt und – falls erfor­der­lich – Röntgenaufnahmen ange­fer­tigt, um den Knochenverlauf beur­tei­len zu können.

Gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen

Im nächs­ten Schritt wer­den bak­te­ri­el­le Beläge und har­te Ablagerungen ober­halb und unter­halb des Zahnfleischrandes sorg­fäl­tig entfernt.

Dadurch lässt sich die Zahl krank­ma­chen­der Bakterien deut­lich redu­zie­ren und die Entzündung kann abklingen.

Individuelle Nachsorge

Mindestens eben­so wich­tig wie die eigent­li­che Behandlung ist die anschlie­ßen­de Erhaltungstherapie.

Je nach per­sön­li­chem Risiko erfol­gen regel­mä­ßi­ge Kontrolltermine und pro­fes­sio­nel­le Zahnreinigungen. Sie hel­fen dabei, erneu­te Entzündungen früh­zei­tig zu erken­nen und zu behandeln.

Was können Sie selbst tun?

Eine sorg­fäl­ti­ge Mundhygiene bil­det die Grundlage jeder Parodontitisvorbeugung.

Dazu gehö­ren:

  • zwei­mal täg­lich gründ­li­ches Zähneputzen mit fluo­rid­hal­ti­ger Zahnpasta,
  • täg­li­che Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten,
  • regel­mä­ßi­ge pro­fes­sio­nel­le Zahnreinigungen,
  • Kontrolluntersuchungen in indi­vi­du­ell abge­stimm­ten Abständen,
  • Verzicht auf das Rauchen,
  • eine gute Einstellung eines bestehen­den Diabetes,
  • eine aus­ge­wo­ge­ne Ernährung.

Gerade die Kombination aus sorg­fäl­ti­ger häus­li­cher Mundpflege und regel­mä­ßi­ger pro­fes­sio­nel­ler Betreuung trägt ent­schei­dend dazu bei, das Risiko einer Parodontitis zu senken.

Warum regelmäßige Vorsorge so wichtig ist

Viele Patientinnen und Patienten suchen den Zahnarzt erst auf, wenn Beschwerden auftreten.

Bei Parodontitis ist das problematisch.

Da die Erkrankung häu­fig schmerz­frei ver­läuft, kön­nen bereits erheb­li­che Schäden ent­stan­den sein, bevor ers­te Symptome bemerkt werden.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ermög­li­chen es, Veränderungen des Zahnfleisches früh­zei­tig zu erken­nen. Oft genügt bereits eine recht­zei­ti­ge Behandlung, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Parodontologie in der Zahnarztpraxis in der Klinik am Ring Köln

In der Zahnarztpraxis in der Klinik am Ring betrach­ten wir die Parodontitis nicht als wich­ti­gen Indikator für die all­ge­mei­nen Gesundheit.

Unsere moder­ne Diagnostik ermög­licht es, Entzündungen des Zahnhalteapparates früh­zei­tig zu erken­nen und indi­vi­du­ell zu behan­deln. Dabei berück­sich­ti­gen wir sowohl den aktu­el­len Befund, als auch per­sön­li­che Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder bereits bestehen­de Allgemeinerkrankungen.

Ebenso wich­tig ist die lang­fris­ti­ge Betreuung. Durch regel­mä­ßi­ge Nachsorge und indi­vi­du­ell abge­stimm­te Prophylaxekonzepte lässt sich das Risiko eines erneu­ten Fortschreitens der Parodontitis häu­fig deut­lich reduzieren.

Unser Ziel ist es, Ihre natür­li­chen Zähne mög­lichst lan­ge zu erhal­ten und gleich­zei­tig die Gesundheit Ihres Zahnfleisches nach­hal­tig zu fördern.

Fazit: Ein gesundes Zahnfleisch schützt weit mehr als Ihre Zähne

Die Forschung zum Zusammenhang zwi­schen Parodontitis und Parkinson befin­det sich in einer span­nen­den Phase.

Immer mehr Studien spre­chen dafür, dass chro­ni­sche Entzündungen des Zahnhalteapparates Auswirkungen auf den gesam­ten Organismus haben kön­nen. Gleichzeitig gibt es zuneh­mend Hinweise dar­auf, dass sie auch bei neu­ro­de­ge­nera­ti­ven Erkrankungen eine Rolle spie­len könnten.

Ob Parodontitis tat­säch­lich zur Entstehung oder zum Fortschreiten einer Parkinson-Erkrankung bei­trägt, muss die Wissenschaft noch klären.

Unabhängig davon steht bereits heu­te fest:

Gesundes Zahnfleisch ist ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen Gesundheit.

Wer Zahnfleischentzündungen früh­zei­tig behan­deln lässt, regel­mä­ßi­ge Vorsorgeuntersuchungen wahr­nimmt und sei­ne Mundhygiene kon­se­quent pflegt, schafft die bes­ten Voraussetzungen für den lang­fris­ti­gen Erhalt sei­ner Zähne – und redu­ziert gleich­zei­tig die chro­ni­sche Entzündungsbelastung des Körpers.

Gerade des­halb lohnt es sich, Parodontitis ernst zu neh­men – nicht erst dann, wenn Zähne locker werden.

Häufige Fragen zu Parodontitis und Parkinson

Kann Parodontitis Parkinson verursachen?

Nach heu­ti­gem Wissensstand lau­tet die Antwort: Nein. Es gibt bis­lang kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Beweis für einen ursäch­li­chen Zusammenhang. Mehrere gro­ße Studien zei­gen jedoch, dass Menschen mit Parodontitis häu­fi­ger an Parkinson erkran­ken. Ob chro­ni­sche Entzündungen dabei eine akti­ve Rolle spie­len, wird der­zeit inten­siv erforscht.

Warum leiden Parkinson-Patienten häufiger unter Parodontitis?

Motorische Einschränkungen erschwe­ren oft die täg­li­che Mundhygiene. Zusätzlich kön­nen Medikamente den Speichelfluss redu­zie­ren. Beides begüns­tigt die Bildung bak­te­ri­el­ler Beläge und erhöht das Risiko für Zahnfleischentzündungen.

Welche Bakterien stehen besonders im Fokus der Forschung?

Vor allem Porphyromonas gin­gi­va­lis wird inten­siv unter­sucht. Dieses Bakterium gehört zu den wich­tigs­ten Erregern einer schwe­ren Parodontitis und könn­te durch sei­ne Entzündungswirkung auch außer­halb des Mundes Einfluss auf den Körper nehmen.

Kann eine Parodontitisbehandlung das Parkinson-Risiko senken?

Dafür gibt es der­zeit kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Belege. Dennoch ist die Behandlung einer Parodontitis sinn­voll, weil sie chro­ni­sche Entzündungen redu­ziert und die Mundgesundheit nach­hal­tig verbessert.

Woran erkenne ich eine Parodontitis?

Typische Warnzeichen sind Zahnfleischbluten, Mundgeruch, gerö­te­tes oder geschwol­le­nes Zahnfleisch, Zahnfleischrückgang oder emp­find­li­che Zahnhälse. Da Parodontitis häu­fig schmerz­frei ver­läuft, sind regel­mä­ßi­ge Vorsorgeuntersuchungen beson­ders wichtig.

Wie oft sollte ich zur Kontrolle gehen?

Das hängt von Ihrem per­sön­li­chen Risiko ab. Menschen mit gesun­dem Zahnfleisch benö­ti­gen meist ande­re Kontrollintervalle als Patientinnen und Patienten, die bereits eine Parodontitis hat­ten. Ihre Zahnarztpraxis erstellt einen indi­vi­du­el­len Nachsorgeplan.

Lässt sich Parodontitis vollständig heilen?

Entstandener Knochenabbau kann meist nicht voll­stän­dig rück­gän­gig gemacht wer­den. Die Entzündung lässt sich jedoch in den meis­ten Fällen erfolg­reich stop­pen und lang­fris­tig kontrollieren.

Welche Rolle spielt die professionelle Zahnreinigung?

Sie ent­fernt bak­te­ri­el­le Beläge auch an schwer zugäng­li­chen Stellen und unter­stützt die häus­li­che Mundpflege. Damit ist sie ein wich­ti­ger Bestandteil der Vorbeugung und Nachsorge bei Parodontitis.

Sollte ich mich untersuchen lassen, wenn Parkinson in meiner Familie vorkommt?

Eine fami­liä­re Vorbelastung bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass Sie selbst erkran­ken. Unabhängig davon emp­fiehlt sich eine regel­mä­ßi­ge zahn­ärzt­li­che Vorsorge, um Entzündungen früh­zei­tig zu erken­nen und zu behandeln.

Warum ist Parodontologie heute so wichtig?

Moderne Parodontologie dient nicht nur dem Erhalt der Zähne. Sie trägt dazu bei, chro­ni­sche Entzündungen zu redu­zie­ren und unter­stützt damit die all­ge­mei­ne Gesundheit – ein Aspekt, der durch die aktu­el­le Forschung immer mehr an Bedeutung gewinnt.

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Quellen:

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